Schalenfrüchte
Schalenfrüchte sind im Gesetz genau acht Nüsse. Darunter ist die Haselnuss die häufigste Nussallergie in Europa. Nach der Erdnuss ist sie der zweithäufigste Auslöser schwerer allergischer Reaktionen. Der Sammelbegriff ist dabei kulinarisch gemeint, nicht botanisch: Die Mandel ist mit dem Pfirsich näher verwandt als mit der Haselnuss.
Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob du Nüsse meiden musst und welche, klärt eine Ärztin oder ein Arzt.
Was genau gemeint ist
Das Gesetz zählt die Schalenfrüchte abschließend auf:
- Mandeln
- Haselnüsse
- Walnüsse
- Cashewnüsse
- Pecannüsse
- Paranüsse
- Pistazien
- Macadamianüsse
Ausgenommen sind nur Nüsse, aus denen Spirituosen destilliert werden.
Nicht gemeint sind Kokosnuss, Muskatnuss, Esskastanie, Pinienkerne, Bucheckern und die Erdmandel. Auch die Erdnuss gehört nicht dazu, sie ist ein eigenes Allergen. Das heißt nicht, dass diese Lebensmittel immer vertragen werden. Sie müssen nur nicht als Allergen hervorgehoben sein.
In der Zutatenliste muss jede Nusssorte einzeln genannt sein. Beim freiwilligen Spurenhinweis steht dagegen oft nur „Schalenfrüchte“ oder „Nüsse“. „Spuren von Schalenfrüchten“ schließt Erdnüsse nicht ein.
Wo Schalenfrüchte stecken
Der Deutsche Allergie- und Asthmabund nennt unter anderem:
- Marzipan (Mandeln), Nougat und Krokant;
- Pesto, klassisch mit Pinienkernen, oft aber mit Cashews;
- Mortadella mit Pistazien, Pasteten;
- Waldorfsalat mit Walnüssen;
- Backwaren, Müsli, Brotaufstriche, Eis und Pudding;
- Joghurt und Käse mit Nüssen;
- Soßen und Currys;
- Likör wie Amaretto und aromatisierten Kaffee.
Dazu kommen Mandel- und Cashewdrinks sowie vegane Käse- und Sahnealternativen aus Nüssen. Nussöle wie Walnuss- oder Haselnussöl müssen ebenfalls gekennzeichnet sein.
Namen auf der Zutatenliste
Achte auf die acht Nussnamen und auf: Marzipan, Marzipanrohmasse, Nougat, Gianduja, Krokant, Praliné, Nussmus, Mandelmehl, Mandelgrieß, Frangipane, Amaretti.
Persipan ähnelt Marzipan, wird aber meist aus Aprikosen- oder Pfirsichkernen gemacht. Prüfe trotzdem die Packung.
Beim Kochen
Es gibt zwei Formen der Nussallergie:
- Pollenbedingte Kreuzallergie: Sie ist häufiger. Ein Eiweiß der Haselnuss ähnelt dem Hauptallergen der Birkenpollen. Meist kribbelt oder brennt es nur an Lippen und Mund. Dieses Eiweiß ist hitzeempfindlich, geröstete Haselnüsse werden deshalb oft vertragen.
- Primäre Nussallergie: Sie beginnt oft im Kindesalter. Auslöser sind Speichereiweiße, die Hitze überstehen. Auch geröstete Nüsse können dann schwere Reaktionen auslösen.
Welche Form vorliegt, lässt sich nur ärztlich klären.
Nicht jede Nussallergie betrifft alle Nüsse. Am stärksten überschneiden sich Cashew und Pistazie sowie Walnuss und Pecannuss, die jeweils eng verwandt sind. Pauschal alle Nüsse zu meiden, hält der Allergie- und Asthmabund für wenig sinnvoll. Besser ist es, jede Sorte einzeln abzuklären.
Kreuzkontakt entsteht etwa in Mühlen, Backstuben, Eisdielen mit gemeinsamem Portionierer und über Knusper-Toppings.
Ersatz
- Gemahlene Nüsse im Kuchen: geröstete Haferflocken, Kokosraspel oder gemahlene Sonnenblumen- und Kürbiskerne.
- Pesto: Sonnenblumen- oder Kürbiskerne.
- Nussmus und Nougatcreme: Sonnenblumenkernmus. Tahin nur, wenn Sesam vertragen wird.
- Mandeldrink: Hafer- oder Reisdrink.
Auch Kokosnuss und Kerne können eigene Allergien auslösen. Welcher Ersatz passt, ist individuell.
Hintergrund: Wann ist eine Nuss eine Nuss?
Botanisch ist eine Nuss eine Frucht mit verholzter Schale, die sich nicht von selbst öffnet. Von den acht Schalenfrüchten erfüllt das sicher nur die Haselnuss. Die Walnuss gilt meist ebenfalls als echte Nuss.
Die anderen kommen aus ganz verschiedenen Pflanzenfamilien:
- Die Mandel ist der Kern einer Steinfrucht und gehört zu den Rosengewächsen, wie Pfirsich und Aprikose.
- Cashew und Pistazie sind Sumachgewächse, verwandt mit der Mango. Die Cashew hängt unter einer fleischigen Scheinfrucht, dem Cashewapfel.
- Die Paranuss ist ein Samen. Bis zu 20 davon stecken in einer großen, harten Kapsel.
- Die Pecannuss ist ein Walnussgewächs.
- Die Macadamia gehört zu den Silberbaumgewächsen aus Australien.
Und die Kokosnuss? Sie ist die Steinfrucht einer Palme. Die US-Lebensmittelbehörde hat sie 2025 von ihrer Liste der Baumnüsse gestrichen.
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Stand: Oktober 2026
Quellen
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV), Anhang II Nr. 8
- DAAB: Nüsse
- DAAB: Erdnüsse
- DAAB: Kreuzallergie
- Calamelli u. a. (2021): Haselnussallergie, Medicina
- Altmeyers Enzyklopädie: Haselnussallergie
- Jeong und Lee (2025): Kreuzreaktionen zwischen Baumnüssen
- Nwaru u. a. (2014): Häufigkeit von Lebensmittelallergien in Europa
- waldwissen.net: Nuss und Mandelkern
- Wikipedia: Cashewbaum
- Wikipedia: Paranussbaum
- FDA Law Blog: Kokosnuss und die Liste der Baumnüsse (2025)