Lupinen
Lupinen sind Hülsenfrüchte, verwandt mit Erbse, Bohne und Erdnuss. Ihre Samen sind reich an Eiweiß. In Brot, Fleischersatz und veganen Milchprodukten tauchen sie immer öfter auf. In der EU steht die Lupine erst seit 2006 auf der Liste der Allergene, als jüngstes der vierzehn.
Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob du Lupinen meiden musst, klärt eine Ärztin oder ein Arzt.
Was genau gemeint ist
Das Gesetz nennt „Lupinen und daraus gewonnene Erzeugnisse“, ohne Ausnahme. In Lebensmitteln stecken vor allem Samen der Weißen, der Blauen und der Gelben Lupine.
Wo Lupinen stecken
Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt diese Produkte:
- Mehl, Schrot und Kaffeeersatz aus Lupinen;
- Brot und Backwaren, oft Vollkornbrot. Manchmal ist nur wenig Lupinenmehl beigemischt;
- Ersatzprodukte für Fleisch, Milch, Ei und Soja, Brotaufstriche, Joghurtalternativen, Eis und Pflanzendrinks;
- Soßen, Süßwaren, Nudeln und Proteinpulver;
- eingelegte Lupinenkerne als Snack, wie man sie im Mittelmeerraum isst.
Namen auf der Zutatenliste
Achte auf: Lupine, Lupinen, Lupinenmehl, Lupinenschrot, Lupineneiweiß, Lupinenprotein, Lupinenkaffee.
Beim Kochen
Das wichtigste Allergen der Lupine ist ein Speichereiweiß aus dem Samen. Es gilt als hitzestabil. Kochen, Fermentieren oder Backen verändern es zwar, machen Lupine aber nicht zuverlässig verträglich.
Auch Mehlstaub kann eine Allergie auslösen: Wer in Bäckereien oder Lebensmittelbetrieben Lupinenmehl einatmet, kann sich so sensibilisieren.
Bitterlupinen: ein anderes Risiko
Neben der Allergie gibt es bei Lupinen ein zweites Thema, das nichts mit Allergie zu tun hat: Bitterstoffe. Lupinen enthalten von Natur aus giftige Alkaloide. Süßlupinen enthalten nur wenig davon, Bitterlupinen sehr viel.
Wer Bitterlupinen zu Hause entbittern will, muss sie tagelang wässern und das Wasser oft wechseln. Ob das zuverlässig gelingt, ist nicht geprüft. Es sind Vergiftungen nach unzureichendem Entbittern bekannt, etwa mit Schwindel, Übelkeit und Herzbeschwerden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät, Bitterlupinen zu meiden oder sehr gründlich zu entbittern.
Verwandte Allergene
Etwa jeder fünfte Mensch mit Erdnussallergie reagiert auch auf Lupine. Die Beschwerden ähneln denen bei Erdnuss und reichen bis zum allergischen Schock. Lupine kann aber auch ohne Erdnussallergie eine Allergie auslösen. Kreuzreaktionen mit anderen Hülsenfrüchten wie Soja, Erbse oder Bohne werden ebenfalls berichtet.
Ersatz
- Lupinenmehl im Brot: Weizen-, Dinkel-, Hafer- oder Reismehl.
- Als Ei-Ersatz beim Backen: Ei, Apfelmus oder geschroteter Leinsamen.
- Lupinen-Aufstrich oder -Joghurt: Produkte aus Sonnenblumenkernen oder Hafer.
Andere Hülsenfrüchte wie Erbse oder Soja sind nicht automatisch ein sicherer Ersatz.
Hintergrund: die Süßlupine aus Brandenburg
Bis in die 1920er-Jahre taugten Lupinen in Deutschland nur zur Gründüngung. Für Tiere und Menschen waren sie zu bitter. Das änderte der Pflanzenzüchter Reinhold von Sengbusch. Am Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung in Müncheberg entwickelte er 1927 einen Schnelltest auf Bitterstoffe. Damit prüfte er Hunderttausende einzelne Pflanzen. Ende der 1920er-Jahre fand er die ersten Pflanzen fast ohne Bitterstoffe.
Aus ihnen entstand die Süßlupine. Fachleute nennen das ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie aus einer Wildpflanze eine Kulturpflanze wird. Heute wachsen Süßlupinen in Deutschland auf rund 25.000 bis 30.000 Hektar, vor allem die Blaue Lupine.
Eine eigene Zutatenliste prüfst du im Zutaten-Check.
Stand: Oktober 2026
Quellen
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV), Anhang II
- BfR: Alkaloide und Allergien, Stellungnahme 035/2025
- Sanz u. a. (2010): Lupinen-Allergie, Clinical and Experimental Allergy
- Mennini u. a. (2016): Lupine und Erdnuss, Übersichtsarbeit
- Campbell und Yates (2010): Berufliche Lupinen-Allergie
- Neue Deutsche Biographie: Reinhold von Sengbusch
- Wikipedia: Süßlupine
- top agrar: So funktioniert der Anbau von Lupinen
- Landtag NRW: Antwort zum Lupinenanbau (2022)