Fisch
In Deutschland hat etwa jeder 200. Erwachsene eine Fischallergie. Anders als die Allergien gegen Ei oder Milch wächst sie sich meist nicht aus. Sie betrifft Fische aus dem Meer und aus dem Süßwasser.
Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob du Fisch meiden musst und welche Arten, klärt eine Ärztin oder ein Arzt.
Was genau gemeint ist
Das Gesetz nennt „Fische und daraus gewonnene Erzeugnisse“. Ausgenommen sind zwei Fälle, in denen Fischgelatine kaum allergen ist:
- Fischgelatine als Trägerstoff für Vitamine oder Carotinoide;
- Fischgelatine und Hausenblase, die Bier oder Wein klären.
Fischöl ist nicht ausgenommen. Krebstiere und Weichtiere sind eigene Allergene.
Wo Fisch steckt
Offensichtlich ist er in Filet, Fischstäbchen, Räucherfisch, Thunfisch und Sardinen aus der Dose, Hering, Matjes und Kaviar. Auch in Paella, Bouillabaisse, Labskaus und Vitello tonnato steckt er.
Versteckt steckt er in:
- Worcestersoße: Das Original enthält Sardellen. Damit steckt Fisch auch in allem, was damit gewürzt ist, von der Bloody Mary bis zur Marinade;
- Caesar-Dressing, das klassisch mit Sardellen gemacht wird;
- Surimi, den sogenannten Krabbensticks. Sie bestehen aus Fischeiweiß, oft mit Hühnerei, Soja und manchmal mit Garnelenaroma;
- asiatischer Fischsoße, etwa in thailändischen und vietnamesischen Gerichten;
- Fischölkapseln, Lebertran und Lebensmitteln mit zugesetztem Omega-3;
- Fischsalat und Fischpaste.
Namen auf der Zutatenliste
Meist steht die Fischart da und ist hervorgehoben: Lachs, Kabeljau, Seelachs, Thunfisch, Sardellen, Anchovis, Hering, Makrele. Achte außerdem auf: Fischeiweiß, Fischöl, Lebertran, Fischgelatine, Fischsoße, Fischfond, Surimi, Rogen.
Beim Kochen
Das wichtigste Fisch-Allergen heißt Parvalbumin. Es steckt im Muskelfleisch und ist für mehr als 70 Prozent der Fischallergien verantwortlich. Das kleine Eiweiß ist sehr stabil: Kochen, Braten und Räuchern machen es nicht unschädlich.
Bei Fisch können schon die Dämpfe beim Kochen Reaktionen auslösen. Das gilt in der Küche zu Hause und in der Großküche.
Kreuzkontakt entsteht leicht über:
- dasselbe Frittierfett für Backfisch und Pommes;
- denselben Grillrost oder dieselbe Pfanne;
- Fischfond in Soßen und Suppen;
- die Fischtheke, an der Fisch und Meeresfrüchte nebeneinander liegen.
Die Arten unterscheiden sich. Thunfisch hat viel dunkles Muskelfleisch mit wenig Parvalbumin. Haie und Rochen besitzen eine andere Form des Eiweißes. Manche Menschen mit Fischallergie vertragen deshalb einzelne Arten. Welche, lässt sich nur ärztlich klären.
Nicht jede Reaktion ist eine Allergie
- Histamin-Vergiftung: Thunfisch und Makrele enthalten viel von einem Baustein, aus dem Bakterien bei falscher Lagerung Histamin bilden. Die Beschwerden ähneln einer Allergie, treffen aber jeden, der den verdorbenen Fisch isst.
- Fadenwürmer (Anisakis): Diese Parasiten leben in rohem Meeresfisch. Durchgaren über 60 Grad oder Tiefgefrieren tötet sie. Gegen ihr Eiweiß gibt es aber auch eine seltene Allergie, und die reagiert auch auf durchgegarten Fisch.
Ersatz
- Omega-3-Fettsäuren: Algenöl. Raps- und Leinöl liefern nur eine Vorstufe, die der Körper begrenzt umwandelt.
- Worcestersoße: vegetarische Varianten ohne Sardellen.
- Meeresaroma: Nori-Algen.
- Fisch-Ersatzprodukte: Sie bestehen oft aus Soja, Weizen oder Erbse. Prüfe das Etikett.
Hintergrund: Garum, die Würze der Römer
Die Römer würzten viele Gerichte mit einer Fischsoße namens Garum. Dafür legten sie Fisch in Salz ein. Die Enzyme des Fisches zersetzten das Eiweiß. So entstand eine Flüssigkeit voller Glutamat, die kräftig nach Umami schmeckte. Hergestellt wurde Garum ähnlich wie heutige Fischsoße aus Südostasien.
In Pompeji war Fischsoße ein blühendes Geschäft und für alle Schichten erschwinglich. Große Werkstätten gab es rund ums Mittelmeer, etwa in Spanien, Portugal und Nordafrika. Ein Nachfahre lebt an der Amalfiküste weiter: die Sardellensoße Colatura di alici aus Cetara.
Eine eigene Zutatenliste prüfst du im Zutaten-Check.
Stand: Oktober 2026
Quellen
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV), Anhang II Nr. 4
- DAAB: Fisch und Meeresfrüchte, Allergene aus dem Wasser (2026)
- DAAB: Was ist eigentlich eine Fischallergie?
- DAAB: Reaktionen auf Fisch, nicht immer eine Allergie
- DAAB: Der Unterschied zwischen Fisch- und Algenöl
- Kuehn u. a. (2014): Fischallergene, Frontiers in Immunology
- Stephen u. a. (2017): Parvalbumin bei Knochen- und Knorpelfischen
- Sharp und Lopata (2014): Fischallergie, Übersichtsarbeit
- LGL Bayern: Soja in Surimi
- Lea & Perrins Worcestershire Sauce, Zutatenliste
- Curtis (2009): Umami and the foods of classical antiquity
- World History Encyclopedia: Garum